Ein paar Beispiele aus der Sammlung
Vor einigen Tagen erreichte ich die «Schallmauer» von 10’000 Beiträgen. Dieser Meilenstein wurde nicht einfach so «vollbracht», vielmehr steckt viel (Klein-)Arbeit dahinter. Als Lohn dieser Mühe resultiert eine Sammlung, die so mittlerweile (wohl) einmalig sein dürfte. Nachfolgend möchte ich einige Beispiele aus der Sammlung anführen, um aufzuzeigen, wie schnell in dieser Zeit Filme in Vergessenheit geraten.

Das Mädchen vom Änziloch (86 Min, 2017)
Die Luzerner Regisseurin Alice Schmid (Die Kinder vom Napf) realisierte 2017 quasi einen Nachfolgefilm. Die Hauptdarstellerin Laura Larissa Röösli ist 13, spielt eine 12-jährige, welche das Änziloch «erforschen» will.
Nun ist es so, dass ich den Film bislang gar nicht in der Gesamtlänge gesehen habe. Diese Problematik ergibt sich daraus, dass bei über 10’000 Filmen bei aktuell ca. 7750 Stunden ich über 320 Tage nonstop am Bildschirm kleben müsste, um alle Filme anzusehen. Bei ca. 1 bis 2 Filmen pro Tag ergäben sich plus/minus 8 Jahre.
In diesem Sinne gebe ich gerne zu, nicht alle Filme in meinem Archiv in Gesamtlänge «visiert» zu haben. Es darf aber auch angeführt werden, dass ich bei gewissen Filmen (z.B. Mad Heidi oder Missen-Massaker) schlicht und einfach auch keine Lust habe, mir dies anzutun. Trotzdem gehören z.B. beide genannten Filme zum Schweizer Filmschaffen bzw. dürfen in einer Filmsammlung nicht fehlen.
Bei «Das Mädchen vom Änziloch» bin ich im Zwiespalt. Wuchtige Bilder laden ein. Auf der anderen Seite erscheint mir die Hauptdarstellerin in diesen Bildern etwas gar verloren und auch der «beigezogene» Landdienst-Bub aus der Stadt erscheint von der Handlung her jetzt nicht zwingend. Weiter ist die Anlage, dass Laura (im Film) ein Einzelkind ist, eher unwahrscheinlich (im echten Leben sind es drei ältere Brüder).

Ebenso fällt auf, dass sie sehr oft vor einem Apfel-Computer sitzt. Nun sind die Preise dieser Marke gehoben. Wenig wahrscheinlich, dass ausgerechnet eine als im einfachen Leben dargestellte Bauernfamilie mit (gelinde gesagt) Computern im oberen Segment unterwegs ist. An sich ist dies Product Placement pur, nur ist es (im Abspann) nicht angeführt. Alles nur Zufall?
Der Film versucht die Balance zwischen Dokumentarfilm und Fiktion. Um diese Frage abschliessend zu beantworten, müsste ich dem Werk eine integrale Chance geben. Ob es dazu kommt, wir werden sehen. Das Mädchen vom Änziloch gehört aber zweifelsfrei in die Sammlung, auch wenn die ländliche Schweiz nicht in all ihren Facetten gelungen präsentiert wird.
Alles eis Ding (64 Min, 2011)
Der von Anita Blumer realisierte Film besticht durch seine Schlichtheit. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein Haus bzw. ihre Bewohner/innen. Sechs Schwestern leben zusammen mit ihrer Grossmutter unter einem Dach. Die Finanzlage ist knapp, ein vermietetes Zimmer soll Abhilfe bei den Kosten bringen. Zentral, quasi den Film überragend spielt Stephanie Glaser die Grossmutter.

Und damit wären wir auch gleich bei der Urkraft des Filmes. Im Zusammenspiel zwischen einer Grand-Dame des Schweizer Kinos und jungen (eher unbekannten) Schauspieler/innen entsteht eine sehr natürliche und wuchtige Spielfreude wie selten in einem Schweizer Spielfilm. Mag sein, dass das Ende des Filmes recht vorhersehbar ist, trotzdem bietet der Film auf gut einer Stunde sowohl sehr viel Situationskomik wie auch (überzeugende) besinnliche Szenen. Es wäre für einmal kein Drama gewesen, wenn der Film die «übliche» Spielfilmzeit von 90 Minuten ausgeschöpft hätte.
Alleine, dem ist nicht so und so bleibt das Ende nach gut einer Stunde wohl etwas gar abrupt. Vielleicht liegt darin aber auch gerade das Kalkül. Da das Ende des Filmes vorhersehbar ist, wäre es «fatal», die Zuschauer/innen ordentlich lange «warten» zu lassen. Wie gesagt, dem ist nicht so, und so bietet der Film einen sehr guten Filmgenuss von der ersten bis zur letzten Minute. «Alles eis Ding» findet sich aktuell bei einigen Streaming-Anbietern, nicht aber bei PlaySuisse. Die DVD ist «vergriffen», findet sich aber in der Zentralbibliothek Zürich.
Jakob Tuggener – Die Uerikon-Bauma-Bahn (6 Min, 1946)
Jakob Tuggener (1904-1988) ist primär als Fotograf bekannt, der es von der bescheidenen Schweiz aus bis in das New Yorker Museum of Modern Art «schaffte». Tuggener realisierte aber auch etwa 20 (unvertonte) Filme. Die Mehrheit dieser ist in einer DVD-Edition aus dem Jahre 2017 ‹Jakob Tuggener – Filme› zusammengestellt.

Nun ist Jakob Tuggener ein Wegbereiter der Dokumentar- und Strassenfotografie. Zu seinen Lebzeiten konnte er eher nicht von seiner Arbeit leben, primär war ihm dies möglich, weil seine Ehefrauen in den verschiedenen Lebensphasen (sprich nacheinander!) für den Unterhalt sorgten.
Die in der Sammlung zusammengestellten Filme zeigen ein weites Spektrum einer (im Vergleich zur Fotografie) bescheidenen filmischen Arbeit. Hier vorstellen möchte ich ein kleines Werk über die Uerikon-Bauma-Bahn aus dem Jahre 1946. Dabei gefällt nicht nur die Ästhetik im Kurzfilm, sondern es ist (nach meinem Wissen) eine der sehr seltenen raren Aufnahmen dieser Bahn zu Betriebszeiten (Einstellung im Jahre 1948) überhaupt.

Jakob Tuggener dokumentierte weiter z.B. das internationale Flugmeeting in Dübendorf aus dem Jahre 1937. Darin findet sich wiederholt die Hakenkreuz-Fahne direkt neben der Schweizer-Flagge und jener von Grossbritannien. Dies einfach als kleine Anmerkung. Jakob Tuggener hat neben klassischen Dokumentarfilmen auch ein paar experimentelle Filme realisiert, z.B. «Die Seemühle» (1946) sowie «Die Muse» (1957). Das Schweizer Fernsehen sendet zudem (fast) regelmässig (alle paar Jahre) Beiträge über Jakob Tuggener. Alleine, die Quellen lassen sich nur «schwer» auftreiben, die DVD-Edition von Martin Gasser kam dem 2017 nach (zu finden in der Zentralbibliothek Zürich).
Serien Schweizer Fernsehen (Peppino)
Die Serien «Ein Fall für Männdli» (1973), «Die Direktorin» (1985), «Motel» (1984), «Lüthi & Blanc» (1999) und viele andere finden sich bereits seit längerer Zeit in meinem Archiv. Neu hinzugekommen in den letzten Tagen/Wochen sind die Serien «Edelmais & Co» (2011), «Ralph und die Dinosaurier» (2024), «Fertig lustig» (2002), «Mysteriöse Schweiz» (2021), «Schöni Ussichte» (2007), «Flamingo» (2004), «Der Weg zur Gegenwart» (1986), «Doppelleben» (2019), «Seitentriebe» (2019), «10» alias «Pokerrunde» (2010), «Assholdies» (2025), «Michael Strogoff» (1976), «Die schwarzen Brüder» (1984), «Zwei Jahre Ferien – Piraten des Pazifik» (1974) sowie «Peppino» (1984).
Die hier angeführte Liste ist nicht vollständig. Über die Online-Recherche kann bei Land nach «CH» und bei Genre mit «Serien» die komplette Liste abgerufen werden. Die Sparte ‹Serien› mit Bezug zur Schweiz umfasst aktuell immerhin ca. 1700 Beiträge. Einige davon finden sich auf SRFPlay, andere liessen sich über Youtube ‹eruieren›. Speziell kurz vorstellen möchte ich Peppino aus dem Jahre 1984.
Diese achtteilige Mini-Serie wurde nach einer Romanvorlage von Eveline Hasler von Mario Cortesi realisiert. Dieser ist zwar primär Journalist und Verleger (TeleBienne). In seiner bisherigen Laufbahn realisierte er aber zahlreiche Filme. Am bekanntesten dürfte wohl der Anti-Raucher-Film ‹Der Duft der grossen weiten Welt› aus dem Jahre 1981 sein. Wie stark der Gegendruck durch die Tabak-Lobby war, lässt sich nicht erurieren. Auf jeden Fall zeigt der Film aber die gesundheitlichen Folgen auf, welche ein (zu) häufiger Konsum von Tabakwaren mitbringt, mit drastischen Bildern überdies.

Zurück zu Peppino. Bis vor einigen Tagen kannte ich diese Serie nicht. 1984 war ich für Kinder- bzw. Jugendserien bereits zu alt und von Eveline Hasler ist mir primär ‹Die letzte Hexe› in Erinnerung.
Bei Peppino geht es um die Geschichte eines Kindes, das aus einer Gastarbeiterfamilie sich in der Schweiz integrieren muss. Dabei hat (gemäss Film) niemand auf das Spaghetti-Kind gewartet. Bei einer Durchsicht einzelner Folgen fällt auf, dass bei jenen Teilen, welche in Italien spielen, die Schauspieler/innen italienisch sprechen (eingeblendet werden deutsche Untertitel). Dies ist für eine Kinder-Serie einigermassen erstaunlich. Wahrscheinlich sollte damit wohl vermittelt werden, dass jede/r in einer Fremdsprache recht verloren ist.
Mario Cortesi realisierte Dutzende von Filmen. Aufgrund Peppino habe ich eine Recherche im Web gestartet und so einige seiner (besten) Werke gefunden. Einzig seine Frühzeit mit Filmen wie «Das Gerücht» (1963) oder «Geh mit der Zeit!» (1964) konnte ich bislang nicht erschliessen.
Mit diesen drei Beispielen hoffe ich aufgezeigt zu haben, wie vielfältig und spannend, aber auch wie «vergesslich» die Schweizer Filmlandschaft ist. In diesem Sinne darf meine Sammlung gerne als Bollwerk gegen das Vergessen gesehen werden.
P.S. Die Bilder entstammen alle den entsprechenden Film-Produktionen in diesem Beitrag. Sie werden hier im Sinne des Zitierungsrechtes verwendet. Eine anderweitige Verwendung ist ausgeschlossen. In diesem Sinne dürfen die Bilder auch nicht ab dieser Homepage kopiert werden
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